Vor genau einem Monat war ich bei einem Konzert von Ina Regen. Mit einer lieben Freundin, die sehr viel Wert auf "gute Karten" legt. Nach unserem vorausgehenden Pizzaessen ist sie unglücklich gestürzt. Sie hat sich an beiden Knien und einem Arm verletzt (vielleicht hat sie immer noch blaue Flecken davon). So humpelten wir eingehakt und in Zeitlupe zum Innsbrucker Congress. Leider konnte sie das fantastische Konzert weniger genießen als ich - Erste (!) Reihe (wie gesagt, sie legt Wert auf gute Karten), beinfrei (was ihr da schon zu Gute gekommen ist wegen ihren lädierten Knien), die zauberhafte Stimme von Ina Regen, die Band, das Ambiente... für mich war es fantastisch. Für meine Freundin war es schmerzhaft.
Und ein Song, eine Message von Ina Regen ist mir für diesen Adventskalender ganz besonders in Erinnerung geblieben...
✨Aufgabe: Du brauchst zwei leere, saubere Marmeladengläser. Bastle ein Etikett oder beschrifte und verziere es so, wie du möchtest. Nimm einen Zettel und schreibe als Erklärung in deinen Worten: Sammle in diesem Glas positive, schöne Momente und Situationen des kommenden Jahres. Vielleicht das erste Eis des Sommers (lt. Ina Regen), ein tolles Gespräch mit einer guten Freundin, ein Moment der Freude, ein erfüllter Tag in der Arbeit... vielleicht ist dir etwas besonders gut gelungen, oder du hast ganz bewusst und achtsam deinen Atem gespürt und dadurch einen stressigen Moment entschärft...
Verschenke beide Gläser: Eines schenkst du dir selbst! Das andere darfst du achtsam und freudig weitergeben an eine Person, die dir wichtig ist!
💬Affirmation: Ich achte auf Positives und beginne jetzt damit!
Ina Regen hat beim Konzert erzählt, dass sie am Ende des Jahres alle kleinen Zettelchen aus dem Marmeladenglas holt und sie ganz bewusst nochmal Revue passieren lässt. Ich wünsche mir für dich, dass du viele wunderbare Momente sammeln kannst und du achtsam sein kannst, für die kleinen positiven Dinge deines Lebens, denn sie sind es, die dir Kraft geben. Sie bewahren dich zwar nicht vor Schmerzen oder blauen Flecken, schützen dich aber davor, zu verzweifeln.
Wissenschaftlich:
Ein zentraler Befund der Positiven Psychologie ist, dass gezielte Aufmerksamkeit auf positive Aspekte des Lebens das subjektive Wohlbefinden steigert. Praktiken wie Dankbarkeit, positive Neubewertung und das Fokussieren auf persönliche Stärken aktivieren dopaminerge und serotonerge Belohnungssysteme, reduzieren Stressreaktionen und fördern adaptive Emotionsregulation. Studien zeigen, dass regelmäßiges Führen eines Dankbarkeitstagebuchs zu höherer Lebenszufriedenheit, verbesserten Schlafparametern und geringeren Depressionssymptomen führt (Emmons & McCullough, 2003). Ebenso konnte belegt werden, dass das bewusste Wahrnehmen positiver Ereignisse im Alltag (»savoring«) die Dauer und Intensität positiver Affekte erhöht, was langfristig resilienzfördernd wirkt und stressbedingte Belastungen puffert (Bryant & Veroff, 2007). Positive Interventionen zeigen dabei Effekte, die über kurzfristige Stimmung hinausgehen, da sie stabile kognitive Gewohnheiten formen.
Auf neurobiologischer Ebene begünstigt ein positiver Bias die Plastizität im präfrontalen Cortex und stärkt Netzwerke, die mit Selbstwirksamkeit und sozialer Verbundenheit korrelieren. Diese Veränderungen unterstützen nicht nur die Regulation negativer Emotionen, sondern fördern prosoziales Verhalten und damit wichtige Prädiktoren psychischer Gesundheit (Fredrickson, 2004). In kontrollierten Interventionsstudien zeigten positive Psychologie-Programme signifikante und klinisch relevante Verbesserungen des Wohlbefindens und Reduktionen von Depressivität über mehrere Monate im Vergleich zu Kontrollbedingungen (Seligman et al., 2005). Der Blick auf das Positive ist demnach kein naiver Optimismus, sondern ein empirisch fundierter Mechanismus zur Stärkung psychischer Ressourcen.
Quellen (APA):
Bryant, F. B., & Veroff, J. (2007). Savoring: A New Model of Positive Experience. Lawrence Erlbaum.
Emmons, R. A., & McCullough, M. E. (2003). Counting blessings versus burdens: An experimental investigation of gratitude and subjective well-being in daily life. Journal of Personality and Social Psychology, 84(2), 377–389.
Fredrickson, B. L. (2004). The broaden-and-build theory of positive emotions. Philosophical Transactions of the Royal Society B, 359, 1367–1377.
Seligman, M. E. P., Steen, T. A., Park, N., & Peterson, C. (2005). Positive psychology progress: Empirical validation of interventions. American Psychologist, 60(5), 410–421.
Mag.a Sabine Senn, BA
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